Das Wichtigste in Kürze
- Bulgarien besteuert Unternehmensgewinne pauschal mit 10 %, Dividenden mit 5 % — kombiniert rund 15 % bis zum Gesellschafter.
- Die EOOD (Ein-Personen-GmbH) ist ab 1 € Stammkapital gründbar; realistisch kostet die Gründung 500–1.000 € und dauert vor Ort 5–7 Werktage.
- Der Steuervorteil gilt nur mit echter Substanz: Wird die Firma faktisch aus Deutschland oder Österreich geführt, besteuert das Heimatland — aus dem Steuervorteil wird ein Steuerrisiko.
Kaum ein Standort-Thema wird Unternehmern so oft verkauft wie die Firma in Bulgarien: niedrigste Steuern der EU, Gründung ab einem Euro, seit 2026 sogar mit dem Euro als Währung. Vieles davon stimmt. Was in den Hochglanz-Angeboten fehlt, ist die zweite Hälfte der Wahrheit — die Frage, wo Ihre Firma wirklich geführt wird. Dieser Beitrag liefert beides: die Fakten und die Grenzen.
Warum Bulgarien lockt
Die Eckdaten sind real und seit Jahren stabil: 10 % Körperschaftsteuer — unverändert seit 2007 —, 5 % Steuer auf Dividenden, pauschal 10 % Einkommensteuer auf Gehälter. Ein geplanter Anstieg der Dividendensteuer auf 10 % wurde Ende 2025 offiziell fallengelassen. Dazu kommen drei jüngere Entwicklungen, die den Standort ernsthafter machen als früher: Bulgarien ist seit Januar 2025 Vollmitglied im Schengen-Raum, hat zum 1. Januar 2026 den Euro eingeführt (Fixkurs 1 € = 1,95583 BGN — das Wechselkursrisiko entfällt) und bietet als EU-Mitglied vollen Zugang zum Binnenmarkt.
Die richtige Rechtsform: EOOD & Co.
Für die meisten Gründer aus dem DACH-Raum läuft es auf eine Form hinaus — die anderen sollte man trotzdem kennen:
| Rechtsform | Entspricht etwa | Mindestkapital | Haftung |
|---|---|---|---|
| EOOD | Ein-Personen-GmbH | ab 1 € (2 BGN) | beschränkt |
| OOD | GmbH (2+ Gesellschafter) | ab 1 € (2 BGN) | beschränkt |
| ET | Einzelkaufmann | keines | unbeschränkt |
| AD | Aktiengesellschaft | 50.000 BGN (25 % einzuzahlen) | beschränkt |
Die EOOD ist der Standard für Solo-Gründer, Berater und IT-Dienstleister: haftungsbeschränkt, günstig, schnell. Der Einzelkaufmann (ET) ist wegen der unbeschränkten persönlichen Haftung in aller Regel keine gute Idee. Daneben existieren OHG- und KG-Pendants sowie seit Kurzem eine Gesellschaft mit variablem Kapital für kleine Unternehmen — Spezialfälle, die selten den Ausschlag geben.
Steuern im Überblick
| Steuerart | Satz |
|---|---|
| Körperschaftsteuer | 10 % (seit 2007 unverändert) |
| Dividendensteuer | 5 % |
| Kombiniert bis zum Gesellschafter | ≈ 15 % |
| Einkommensteuer (Gehalt) | 10 % pauschal |
| Umsatzsteuer | 20 % (Registrierungspflicht ab ca. 51.130 € Jahresumsatz) |
| Sozialversicherung gesamt | ≈ 32–33 % (gedeckelt bei 2.352 € Bemessung/Monat) |
In der Praxis kombinieren viele EOOD-Inhaber ein moderates Geschäftsführer-Gehalt (sozialversicherungspflichtig, Mindestlohn 2026: 620 €/Monat) mit Dividendenausschüttungen, auf die nur 5 % anfallen und keine Sozialabgaben. Kleinunternehmen mit einem EU-Gesamtumsatz unter 100.000 € können zudem die EU-KMU-Regelung für grenzüberschreitende Umsätze ohne USt-Registrierung nutzen.
Aus der Beraterperspektive
Rechnen Sie den Vorteil ehrlich: Wer in Österreich oder Deutschland mit GmbH und Ausschüttung bei 40 %+ Gesamtbelastung liegt, sieht in 15 % eine enorme Differenz. Aber diese Differenz gibt es nur, wenn die bulgarische Gesellschaft steuerlich auch in Bulgarien zu Hause ist — und das entscheidet nicht das Handelsregister, sondern Ihr Alltag.
Gründung Schritt für Schritt
- Firmennamen prüfen — Verfügbarkeit im bulgarischen Handelsregister (Registry Agency).
- Geschäftsadresse sichern — zwingend in Bulgarien; ein virtuelles Büro genügt formal (50–150 €/Jahr), mit schriftlicher Einverständniserklärung des Adressinhabers.
- Gründungsdokumente erstellen — in bulgarischer Sprache; seriöse Kanzleien liefern zweisprachige Fassungen.
- Unterschrift notariell beglaubigen — beim bulgarischen Notar oder im Heimatland mit Apostille.
- Kapitalsammelkonto eröffnen — vor der Eintragung; mindestens 70 % des erklärten Kapitals einzahlen.
- Eintragung ins Handelsregister — elektronisch 28 €, in Papier 56 € Staatsgebühr.
- EIK-Nummer erhalten — die einheitliche Identifikationsnummer; Steuernummern werden automatisch zugeteilt.
Dauer: vor Ort 5–7 Werktage (der Registereintrag selbst 1–3 Werktage), per Ferngründung über einen bevollmächtigten Anwalt (Vollmacht + Apostille + Dokumentenversand) realistisch 2–3 Wochen. Gesamtkosten: typisch 500–1.000 € inklusive Anwalt (400–800 €), Notar (10–20 €) und Gebühren. Achtung: Manche Banken verlangen für das laufende Geschäftskonto persönliche Anwesenheit; der KYC-Prozess dauert etwa eine Woche.
Was EU-Bürger brauchen — und was nicht
- Kein Wohnsitz nötig: Sie müssen weder in Bulgarien leben noch dort gemeldet sein, um zu gründen.
- Adresse zwingend: Ohne bulgarische Geschäftsadresse keine Eintragung.
- Bankkonto zwingend: Kapitalsammelkonto vor der Eintragung; Kontoeröffnung kostet je nach Bank 100–500 €.
- Bei längerem Aufenthalt: Anmeldung bei der Migrationsdirektion und LNCH-Nummer (persönliche Identifikationsnummer für Ausländer).
Die ehrliche Seite: Substanz oder Steuerfalle
Hier trennt sich seriöse Gestaltung von teurem Irrtum. Die EU-Niederlassungsfreiheit garantiert Ihnen die Gründung — sie garantiert Ihnen nicht die bulgarische Besteuerung. Drei Konzepte entscheiden darüber, und alle drei prüft im Zweifel Ihr heimisches Finanzamt:
- Ort der tatsächlichen Geschäftsleitung: Wird die Firma faktisch von Ihrem Schreibtisch in Wien oder München geführt, gilt sie steuerlich schnell als dort ansässig — mit voller Heimatbesteuerung, ganz gleich, was im bulgarischen Register steht.
- Betriebsstätte: Wer im Heimatland Büro, Personal oder feste Einrichtungen unterhält, schafft dort steuerpflichtige Anknüpfungspunkte.
- Hinzurechnungsbesteuerung: Deutschland und Österreich rechnen passive, niedrig besteuerte Auslandsgewinne unter bestimmten Voraussetzungen dem inländischen Gesellschafter direkt zu — der 10-%-Vorteil verpufft.
Funktionieren kann die Struktur, wenn echte Substanz entsteht: tatsächliche Tätigkeit in Bulgarien, lokales Personal oder Management, ein realer Betrieb — oder wenn Sie selbst Ihren Lebensmittelpunkt verlagern. Eine virtuelle Adresse mit Postweiterleitung ist keine Substanz, sondern ein Prüfungsrisiko. Beim Wegzug mit bestehenden Beteiligungen kommt zusätzlich die Wegzugsbesteuerung ins Spiel.
Kein Steuerspar-Rezept
Dieser Beitrag ist eine fachliche Orientierung, keine Rechts- oder Steuerberatung. Ob eine bulgarische Struktur für Sie trägt, hängt von Ihrem Einzelfall ab — Wohnsitz, Tätigkeit, bestehende Gesellschaften, Doppelbesteuerungsabkommen. Lassen Sie die Struktur vor der Gründung steuerlich und rechtlich prüfen, nicht danach. Stand: August 2026.
Laufende Pflichten & Kosten
- Buchhaltung: ab Tag 1 Pflicht — 100–250 €/Monat beim lokalen Buchhalter, monatliche Sozialversicherungsmeldungen inklusive.
- Jahresabschluss: Veröffentlichung bis 30. Juni des Folgejahres (15–30 €); Versäumnisse kosten 100–1.500 € Bußgeld.
- Adresse: 50–150 €/Jahr für das virtuelle Büro.
Bulgarien-Check vor der Gründung
- Rechtsform gewählt (im Regelfall EOOD) und Namensverfügbarkeit geprüft
- Geschäftsadresse mit Einverständniserklärung gesichert
- Kapitalsammelkonto-Termin und KYC-Unterlagen vorbereitet
- Buchhalter ab Tag 1 beauftragt
- Substanzfrage beantwortet: Wo wird die Firma wirklich geführt?
- Heimische Steuerfolgen (Geschäftsleitung, Hinzurechnung, Wegzug) professionell geprüft
Häufige Fragen zur Firmengründung in Bulgarien
Wie hoch sind die Steuern für eine Firma in Bulgarien?
10 % Körperschaftsteuer (seit 2007 unverändert) plus 5 % auf Dividenden — kombiniert rund 15 % bis zum Gesellschafter. Gehälter werden pauschal mit 10 % besteuert, die Umsatzsteuer beträgt 20 %. Diese Sätze gelten nur, wenn die Gesellschaft steuerlich tatsächlich in Bulgarien ansässig ist.
Muss ich in Bulgarien wohnen, um eine EOOD zu gründen?
Nein — EU-Bürger können ohne bulgarischen Wohnsitz gründen. Zwingend sind eine bulgarische Geschäftsadresse, ein Kapitalsammelkonto und die notarielle Beglaubigung. Aber: Wer die Firma faktisch aus dem Heimatland führt, riskiert dort die volle Besteuerung.
Was kostet die Gründung?
Stammkapital formal ab 1 €; realistisch 500–1.000 € Gesamtkosten (Staatsgebühr 28–56 €, Notar 10–20 €, Adresse 50–150 €/Jahr, Anwalt 400–800 €). Laufend: Buchhaltung 100–250 €/Monat.
Wie lange dauert die Gründung?
Vor Ort 5–7 Werktage, der Registereintrag selbst 1–3 Werktage. Per Ferngründung mit Vollmacht und Apostille realistisch 2–3 Wochen — wobei manche Banken fürs Geschäftskonto persönliche Anwesenheit verlangen.
Ist das für deutsche oder österreichische Unternehmer legal?
Die Gründung ja — die EU-Niederlassungsfreiheit garantiert sie. Die steuerliche Wirkung hängt von der Substanz ab: Ort der Geschäftsleitung, Betriebsstätte und Hinzurechnungsbesteuerung entscheiden, ob wirklich Bulgarien besteuert. Eine Briefkastenlösung funktioniert nicht — vorab prüfen lassen.